GALERIE BERLINER URSPRUNG



SIEGFRIED ELXNAT | GOLD IST AUS

Malerei und Installation 

20. November - 22. Januar





TILL MAYER    I    STORED REMINISCENCE

Berliner Arbeiten von 1985 - 1995   I    1. - 13. November 2010  





        

Baumeigenleben,Holz,70x60x13cm,1995                 Hohlraum,Holz,49x32x21cm,1994                                                                                                                                                                                         

              
Mögliche Situationen IV,87x61cm,1998              Aussicht mit Fenster,170x200cm,1993

                                                                                  




SIEGFRIED ELXNAT    I    KRÄFTE.STRÖME.FLÜSSE.EINFLÜSSE

Malerei 1990 - 2010    I    2.7. - 25.9. 2010



Urstromtal (Berlin I), Acryl auf Leinwand,100x160cm , 2010

Der fliegender Hund, Acryl auf Leinwand ,100x150cm, 2009




Bilder, die mich wie ein Blitz treffen - Der Maler Siegfried Elxnat

Schon die frühesten Bilder der Menschen konnten zum Ausdruck bringen, wofür es keine Worte, keine Bezeichnung, keine Sprache gab und bis heute ist Kunst dem Unsagbaren verpflichtet, weil sie über das Sichtbare, das Bekannte und Widererkennbare hinausgeht. Gute Bilder überraschen den Betrachter, wecken Neugierde und Sinnlichkeit, setzen der täglichen Wahrnehmung von Welt eine neue, eine eigene hinzu. In der Kunst tickt ein Begehren wie eine Zeitbombe, ein unabdingbares MUSS, das es mit der Erklärung und Durchdringung der Welt auf sich zu nehmen hat. Beim Malen der Bilder gibt es keine Gleichgültigkeit, keine Beliebigkeit. Jedes gute Bild ist ein sinnliches Ultimatum, das uns auffordert, das Existenzielle, das wirklich Bedeutsame und Einzigartige in ihm zu verstehen. In „Frau Rettich, die Czerni und ich“ lässt Simone Borowiak die staunende Betrachterin sagen: „Ich verstehe gar nichts von Malerei. Ich kann nur sagen: Dies gefällt mir, dies rührt mich, das erschreckt mich, hier bin ich beeindruckt und da guter Laune; es gibt Bilder, die lassen mich Verlogenheit wittern, als wären sie mit gespaltenem Pinsel gemalt. Und es gibt Bilder, die mich wie ein Blitz treffen und in meiner Seele donnern, aber niemals könnte ich schlüssig beschreiben, was warum geschieht, wenn ein Bild und ich aufeinandertreffen.“

Den Maler Siegfried Elxnat treffen seine Bilder wie ein Blitz und sie donnern in seiner Seele. Jedes Bild ist ein Prozess und so sehr er auch kontrolliert stattfindet, bewegt er sich gleichermaßen in einem Bereich von Freiheit, in dem Künstler und Bild es immer von neuem allein mit sich, der Leinwand, den Farben und der Ewigkeit aufnehmen.

Die Frage, ob seine Bilder, weil soviel Gold in ihnen vorkommt, etwas mit Gott zu tun haben, verneinte er. Allerdings räumte er ein, es gäbe eine Sehnsucht, nicht so sehr nach Gott, aber nach dem „Baum der Erkenntnis; Gold ist für mich Erde“. Die Bilder von Siegfried Elxnat begehren über die Ratlosigkeit hinaus nach Welterkenntnis. Sie wollen sichtbar machen, was hinter den Facetten der Alltäglichkeit verborgen bleibt. Sie wollen dem Palaver, der trügerischen Besserwisserei entkommen, indem sie Kräfte beschwören, nicht esoterisch, zuweilen sogar ironisch und dennoch ernst gemeint: Urströmen, Flüssen, Einflüssen, verborgenen Kräften, Natur und Mensch in ursprünglicher, energetischer Erscheinung, unverfälscht, nicht profanen Festschreibungen gehorchend, will Elxnat Gestalt verleihen.

Seine Berlinbilder heißen „Urstromtal“ oder „Ströme“. Sie stellen unterirdische Landschaften vor, „Hochland und Tiefland“, Vulkane, Wüsten, die an Meere grenzen, Menschen, die in Höhlen flüchten und ans Feuer. Ein Hund fliegt aus der Stadt heraus, eine treue Seele das Himmelslabyrinth vor Augen; ein Ziegenbock steigt in die Lüfte, ein Radfahrer strampelt im Tal und als Dritter im Bunde steht ein Fuchs Pate. Mal über Wasser, mal unter Wasser, im Dickicht der Pflanzen oder mit Blick auf ein Wetter gefülltes Tal geht es dem Maler immer um Kräfte, eben nicht unsichtbare, sondern für den, der sie sehen will, sichtbar in ungeschminkten, aufgewühlten nebeneinander gesetzten Farben auf meist weißer Leinwand, wenig grundiert, wenig vorbereitet, untrügerisch, wahrheitsliebend, Echtheit suchend.

Die ersten Bilder des gelernten Fotografen Elxnat entstanden um 1990. Die Wahrnehmung von Landschaft und den Kräften der Natur hielt er in großformatigen Pastellkreidezeichnungen fest. Aber er wurde kein Landschaftsmaler im herkömmlichen Sinne. Kräfte, Ströme, Flüsse und Einflüsse sind für Elxnat Urbild, geradezu unterirdisch erspürte Matrix zur Erschließung unserer komplexen psychischen und sozialen Wirklichkeit. Denn eines sind die Bilder von Siegfried Elxnat nicht: weltfremd. Mit „DAX“, der Berg- und Talfahrt in profaner schwarzer Linie auf geschichtetem Gold, und seiner jüngsten Arbeit „Abendmahl-Tafelrunde“ taucht er den Pinsel mit ironischer Naivität in die Gegenwart. Wir lesen „Segen“ und „Flucht“ – ratlos bleibt, wem nicht ein Blitz in die Seele donnert.

Heike Stockhaus